Ergänzung zu den Quelle / Synagoge

Zu den Quellen:

 

Über die Beschädigung in der "Kristallnacht" 1938 und durch Bombentreffer zu Kriegsende bestehen Minungen, die zum Teil sehr weit auseinanderliegene. Eine Klärung durch Quellen wird nicht möglich sein.

Wir halten die Argumente von Rechtsanwalt Spelthahn und vom Stadtarchiv für so wichtig, dass wir sie im Originaltext anfügen. Wir hoffen, damit zur Klärung beizutragen.

 

Stadtarchiv Jülich

 

Sehr geehrter Herr Heumann,

die Akte IV 505 habe ich mir angesehen. Darin befindet sich ein Gutachten über den hypothetischen Schadensgrad des Eigentums der früheren jüdischen Gemeinde in Jülich (von 1959).

In diesem Gutachten findet sich die Bemerkung

„Die Synagoge Jülich ist in der sogenannten „Kristallnacht“ zu Anfang November 1938 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Soweit sich noch ermitteln ließ, wurden dabei die Inneneinrichtung und der Dachstuhl vernichtet. Genaue Angaben können darüber von hier aus allerdings nicht gemacht werden.“

Auch der Bombentreffer wird im Folgenden erwähnt als Grund der Zerstörung. Dies entspricht den Zeitzeugenberichten von Herrn Spelthahn.

Den Text von Elfi Pracht habe ich mir angesehen, auch die Fußnote Nr. 72, auf welche Sie sich in Ihrer Anfrage beziehen. Leider gibt Frau Pracht für das „Papier der Stadtverwaltung“ keinerlei Quelle an. In den Beständen des Stadtarchivs liegt kein solches Papier aus dem Jahre 1978 vor.

Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

 

Stadt Jülich
Der Bürgermeister

i.A. Doris Flesch

Stellv. Archivleiterin

 

Stadtarchiv Jülich
Zentrum für Stadtgeschichte
Am Aachener Tor 16
D - 52428 Jülich

Postfach 1220
D - 52411 Jülich
Tel. 0049-2461-63533

www.juelich.de/stadtarchiv

Öffnungszeiten: Di: 8:30 Uhr – 12:30 Uhr und Di + Mi: 14:00 Uhr – 17:00 Uhr

 

 

Mailkontakt mit RA Spelthahn über das Schicksal der Synagoge

Sehr geehrter Herr Dr.  Heumann,

das Gröbste ist beseitigt worden. Danke sehr.

 

Falsch ist aber immer noch:

Erst 1944 sei das Bauwerk durch einen Bombentreffer zerstört worden. Dafür kann man weder mich noch Josef Lenzen als Kronzeugen benennen. Ich stimme ausdrücklich Prof. Dr. Bers zu: Die Synagoge war bei Kriegsende relativ gut erhalten. Bers ist in Jülich geboren, ein Vater war hier Zahnarzt.  

 

Warum die Herzöge von Jülich ebenso wenig der renommierte Einhard (David, Jude aus Jülich. hat ihm 826 berichtet, dass er und weitere Juden Zeugen eines  Wunders gewesen seien) weglässt, verstehe ich nicht. Das Dokument wird in Texas aufbewahrt und ist nach meiner Kenntnis im Internet zugänglich. Dass im 4. Jahrhundert Juden in Köln waren, spricht auch sehr dafür, dass zumindest in jener Zeit in unserem Bereich Juden waren. Ich gehe eigentlich davon aus, dass die „Jülicher-Juden-Geschichte“ auf 1.700 Jahre kommt…Das ist aber eine Annahme, die ich nicht belegen kann.

1226 wurde dem Grafen von Jülich von König Heinrich die Erlaubnis erteilt, Juden aufzunehmen. 1587 ist ein Jude (Metzger) in Jülich ansässig, dem man allerlei Scherereien macht (Kuhl I, S., 223, 225). Die „Juddenstraße“ (zeitgenössisch) ist wohl im 13. Jahrhundert, dann erst wieder im 16. Jahrhundert nachgewiesen. Eine Synagoge stand an der Grünstraße: verschiedene Bauten sind vom 13. Bis zum 16. Jahrhundert vorhanden. Synagogen sind in der Grünstraße für 1349, 1461,1771 und 1783 bezeugt. Da ein Synagoge einen Minjan verlangt, werden Synagogen immer nur dort errichtet, wo es im Einzugsbereich etwa 100 Juden gab.

Dass im 13. Jahrhundert es eine Judenstraße (einen Feldweg) gab, ist doch nur erklärlich, wenn es dann schon längere Zeit Juden in Jülich gab.

Ich finde, es gehört zu der notwendigen Offenheit, dass man den Europäischen Antisemitismus nicht auf Katastrophenzeiten („Pest“) beschränkt, da er bis ins 19. Jahrhundert in vielen Staaten (in Jülich im 16. Jahrhundert) Staatsdoktrin war und tief in der Bevölkerung verwurzelt war, ja ist. Das ist auch die Wahrheit.

Das Bauwerk wurde auch 1944 nicht zerstört, 1955 wurde keine Ruine abgerissen.

Beste Grüße aus Jülich

Heinrich Spelthahn.

Vorsitzender Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e. V.

Gemeindedirektor a. D.

Rechtsanwalt.

 

Von: ra-spelthahn@t-online.de <ra-spelthahn@t-online.de>
Gesendet: Montag, 4. September 2023 15:19
An: 'WHeumann' <drheumann@gmx.de>
Betreff: AW: Jüdischer Friedhof Jülich: Mahnmale 1966 und 2001 - Garzweiler wohl vor 1950

 

Elfi Pracht-Jörns lag ein 1978 angefertigtes Papier der Stadtverwaltung Jülich vor. Darin wird geschildert, dass die Synagoge 1938 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Das ist offenkundig falsch. Das kann JEDER bestätigen, der je das DBH besucht hat…Vielleicht ist das ein Entschuldigungspapier, dass man die Synagoge nach 1945 nicht geschützt hat. Die Stadt Jülich hat bis 1996 auch behauptet, es seien nur 12 Juden aus Jülich ermordet worden. Hier war der Faktor 10 angebracht.  

 

Nach Professor Bers war die Synagoge noch "relativ gut erhalten". Im Jahre 1955 ist die Ruine jedenfalls abgerissen worden. Heute steht dort ein Wohnhaus. Seit 1983 steht vor diesem Haus ein Gedenkstein. Falsch: An dem Wohnhaus hängt eine Gedenktafel. An der Stelle der Synagoge stehen LKW-Garagen bzw. die Zufahrt zu diesen. Die Synagoge stand – wie auch andere Minderheiten-Stätten, im Rheinland also alles Nicht-Katholische - nicht an der Straße, sondern „unauffällig“ zurück.

Jülich liegt immer noch 45 km westlich von Köln.

 

Von: WHeumann <drheumann@gmx.de>
Gesendet: Montag, 4. September 2023 14:22
An: ra-spelthahn@t-online.de
Betreff: Re: Jüdischer Friedhof Jülich: Mahnmale 1966 und 2001 - Garzweiler wohl vor 1950

 

Sehr geehrter Herr Spelthahn,

ich habe die Artikel jetzt geändert. Ich habe die unklaren Dinge dabei offen gelassen. Ich habe Herrn Kunze und das Stadtarchiv Jülich angeschrieben. Ich hoffe, dass wir dann die Anzahl der FH in Garzweiler und das Schicksal der Synagoge klären können. Frau Pracht Jörns nennt eine Quelle. Es scheint, als ob das Dokument von 1978 im Archiv vorhanden ist.

Ist das nicht eine spannende Beschäftigung?

Mit vielen Grüßen

Wolfgang Heumann

Am 02.09.2023 um 19:21 schrieb ra-spelthahn@t-online.de:

  1. September 2023

 

Sehr geehrter Herr Dr. Heumann,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Empfinden Sie es bitte nicht als Beckmesserei, wenn ich Sie auf ein paar Fehler sachlicher bzw. sprachlicher Art hinweise. Das ist nur ein kollegialer Hinweis. Dass die Synagoge nicht gebrannt hat, wurde mir von dem damaligen Stadtgärtner Josef Lenzen bestätigt. Das Gebäude wies kaum Spuren der Verwüstung auf. Erst bei den Bombardierungen 1944 wurde das Gebäude beschädigt. Ein zeitgenössisches Foto (nach der Bombardierung hängt im evgl. Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Düsseldorfer Straße.

Wenn ich mich richtig erinnere, sind in Garzweiler insgesamt 3 jüdische Friedhöfe gefunden worden. Da dies aber vor meiner Amtszeit in Jüchen war, bin ich mir nicht sicher. Da könnte Ihnen mein damaliger Mitarbeiter Herr Heinz Kunze in Jüchen-Neugarzweile, Garzweilerallee, bessere Auskünfte erteilen.

Ich grüße Sie herzlich und unterstütze gerne Ihre Arbeit.

Beste Grüße

Heinrich Spelthahn.

 

on: WHeumann <drheumann@gmx.de>
Gesendet: Samstag, 2. September 2023 18:06
An: ra-spelthahn@t-online.de
Betreff: Re: Jüdischer Friedhof Jülich: Mahnmale 1966 und 2001 - Garzweiler wohl vor 1950

Sehr geehrter Herr Spelthahn,

ich habe gerade die Fehler beseitigt.

https://www.juedische-friedhoefe.info/friedhoefe-nach-regionen/nordrhein-westfalen/rheinland/juelich.html

https://www.juedische-friedhoefe.info/friedhoefe-nach-regionen/nordrhein-westfalen/rheinland/juechen-bedburdyk-kopie/der-friedhof-von-juechen.html#/2

Ich hoffe, alle Fehler sind beseitigt.

Ihre Bücher habe ich bestellt. Man hat mich auf eine längere Wartezeit vorbereitet.

Ich denake Ihnen für ihr Interesse an unserer Webseite und die Hinweise auf die Fehler.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Heumann

Am 16.08.2023 um 23:37 schrieb ra-spelthahn@t-online.de:

Sehr geehrter Herr Dr. Heumann,

ich bin mit allem einverstanden, was Sie vorhaben.

Die Bücher sind in der Nationalbibliothek (soweit ich weiß). Sie sind beide abgeliefert worden.

Jedenfalls  sind sie in der Bücherei des United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C. und in der Bücherei von Yad Vashem.

Beide Bücher sind vergriffen, so dass ich Ihnen leider kein Exemplar zur Verfügung stellen kann. Ich werde mich aber umhören.

Beste Grüße

Heinrich Spelthahn

Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e. V.

 

Von: WHeumann <drheumann@gmx.de>
Gesendet: Mittwoch, 16. August 2023 19:09
An: ra-spelthahn@t-online.de
Betreff: Re: Jüdischer Friedhof Jülich: Mahnmale 1966 und 2011 - Garzweiler wohl vor 1950

 

Sehr geehrter Herr Spelthahn.

Danke für ihre Korrekturvorschläge und die Bereitschaft, für Fragen zur Verfügung zu stehen. Wir werden die Fehler beseitigen.

Die Bücher sind sehr interessant. Wo kann ich sie ausleihen? Ich finde sie in der Nationalbibliothek und der digitalen Bibliothek nicht. Ich werde die Bücher auf jeden Fall als Hinweis bei den Quellen aufnehmen.

Sie sind sicher damit einverstanden, daß wir ihren Text im Layout den einzelnen Bildern zuordnen. Sie werden als Verfasser genannt.

Einige wenige nicht sinnentstellende Weglassungen sind erforderlich (zB Anrede, 1. Satz )

Wir informieren Sie umgehend, sobald wir die Friedhöfe in der geänderten Form einstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Heumann

Am 15.08.2023 um 23:05 schrieb ra-spelthahn@t-online.de:

15.8.2023

Nachträge

1.

Das Schicksal der Juden in Jüchen (auch Bedburdyck mit Friedhof [Grevenbroich-]Hemmerden, siehe die falsche Angabe bei Jüchen-Bedburdyck)  siehe das von mir herausgegebene Buch: Ausgegrenzt, ausgeliefert, ausgelöscht, überlebt?: Jüdische Schicksale in Juchen zwischen Spenrath und Damm (Geschichte der Gemeinde Juchen)

 

2.

Zum Jülicher Land

 

Entrechtet - entwurzelt - ermordet : Buch der Erinnerung an die Juden des Jülicher Landes

Boss, 2006

 

  1. August 2023

 

Sehr geehrter Herr Bösenberg, sehr geehrter Herr Heumann,

 

mit Interesse habe ich Ihre Angaben zum jüdischen Friedhof Jülich gelesen. Gestatten Sie mir einen Hinweis: Das „Mahnmal“, das Foto 2 zeigt, ist nicht das 1966 errichtete Mahnmal. Vielmehr wurde dieses Mahnmal 2001 in Sichtweite des jüdischen Friedhofs der Öffentlichkeit übergeben und steht auf dem Propst-Bechte-Platz. Es wurde im Auftrag der Stadt Jülich durch die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e. V. errichtet. Schirmherr war Ministerpräsident Wolfgang Clement+. Das Mahnmal zeigt die Namen der von den Nazis ermordeten Juden des früheren Kreises Jülich (in etwa Jülich, Linnich, Aldenhoven, Inden und Niederzier). Das 1966 errichtete Mahnmal ist auf den Bildern 4 und 5 jeweils rechts als weißer Stein zu sehen, dessen Inschrift mit der Formulierung  des Gedenkens an die „verstorbenen“ jüdischen Mitbürger zu Kontroversen führte. Das Mahnmal gehörte 1966 zu den wenigen Mahnmalen in NRW, das maßgeblich auf Hubert Bücher zurückgeht. Eines der ältesten Mahnmale steht auf dem jüdischen Teil des Friedhofs in Jüchen-Neu-Garzweiler. Es wurde wahrscheinlich vor 1950 errichtet. In Garweiler gab es wohl insgesamt 3 jüdische Friedhofe. Das Mahnmal Bild 6 in Garzweiler erinnert an die Opfer des „Dritten Reiches“ – diese Formulierung weist auf das frühe Entstehen hin.

 

Gerne stehe ich für weitere Auskünfte zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Spelthahn