Der Friedhof der Eliyahoo Synagoge

Halle mit Gedenksteinen * Iris Völlnagel

In Mumbai gab es im Laufe der Zeit sechs jüdische Friedhöfe. Einige sind verschwunden, werden nicht mehr benutzt oder wurden, wie der Nagpada Friedhof, zu einem Park gemacht. Die heute noch benutzten Friedhöfe sind Bandra, Bene Israel und der Friedhof der Eliyahoo Synagoge. Über ihn schreibt Iris Völlnagel:

"Mitten im Herzen Mumbais, in der Nähe des Bahnhofs Chinchpokli, liegt einer der drei jüdischen Friedhöfe der Stadt. Er ist umringt von großen Wohnblocks, eine stark befahrene Straße führt an dem Gelände vorbei. Genutzt wird der Friedhof heute nur noch selten. Dafür dient er den Gärtnern als Wohnstätte. In der Aussendungshalle haben sie ihre Kleidung und einige Kochutensilien deponiert. An einer Wand ist eine Leine zum Wäschetrocknen befestigt, in eine andere sind Gedenktafeln von Verwandten für ihre verstorbenen Angehörigen eingelassen, etliche mit deutschen Namen.

»Für mich ist dies das einzige Holocaustmahnmal in ganz Indien«, meint Margit Franz. Ein Gespräch mit den Friedhofsbewohnern ist nicht möglich, weil sie kaum Englisch sprechen, doch bereitwillig führen sie Besucher herum. Der Friedhof wurde hauptsächlich von den Baghdadi‐Juden genutzt, jener Gruppe, deren Vorfahren vor 200 bis 300 Jahren von Bagdad nach Indien flohen. Prominentester Vertreter ist David Sassoon. Der Kaufmannssohn wurde durch den Baumwoll‐ und Kokainhandel wohlhabend. Heute erinnert noch die prunkvolle Sassoon‐Bücherei an den berühmten Sohn der Stadt, der ihre Entwicklung durch große Spenden nachhaltig mitprägte.

In einer der hinteren Ecken des Friedhofs befinden sich einige besonders verfallene Gräber. Bäume wachsen heraus, manche Grabsteine sind zerbrochen oder umgefallen, Gestrüpp überwuchert die Platten. Die Namen verweisen auf die deutsch‐jüdische Herkunft der Verstorbenen.

»Es ist traurig, die Gräber in so schlechtem Zustand zu sehen. Es wäre eine große und wichtige Aufgabe, sich dieser Grabstätten anzunehmen, um dem damaligen jüdischen Exil einen Gedenkort zu geben«, wünscht sich Margit Franz. Auf dem gut gepflegten Friedhof erwecken die Gräber den Anschein, als ob niemand so recht weiß, was man damit anfangen soll."

Iris Völlnagel, Jüdische Allgemeine, März 2019

Den gesamten Artikel finden Sie unter "Juden in Mumbai"

 

Fotos vom Friedhof (Iris Völlnagel)