Juden in Schwaben

Für die Beschäftigung mit den jüdischen Friedhöfen in Schwaben ist es zweckmässig, ja notwendig, auch Einblicke in die Geschichte der Juden in diesem Raum zu gewinnen. Obwohl dies nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, sollen einige grundlegende Fakten erwähnt werden, die zum besseren Verständnis beitragen.

Die historische Landschaft Schwaben setzte sich, wie in vielen Regionen des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, aus einer Vielzahl von souveränen Territorien zusammen. Dabei veränderten sich naturgemäß die Herrschaftsverhältnisse im Laufe der Jahrhunderte immer wieder.

So waren im nördlichen Bereich bis 1806 vor allem die Grafen und späteren Fürsten von Oettingen sowie Freie Reichsstädte wie Nördlingen und Donauwörth von Bedeutung. Die Region südlich der Donau-Linie gehörte bis 1806 zu weiten Teilen zur Markgrafschaft Burgau und damit zu (Vorder-) Österreich. Innerhalb dieser politischen Einheiten lagen weitere Reichsstädte, bischöfliche und klösterliche Territorien sowie zahlreiche kleinere, souveräne Adelsherrschaften. Auch die Herzogtümer Bayern-München, Bayern-Landshut, Bayern-Ingolstadt sowie Pfalz-Neuburg spielten zeitweise eine wichtige Rolle.

Diese Herrschaftssituation war für die Ansiedlung von Juden von grosser Bedeutung, da ihre Niederlassung stets von der Genehmigung durch die jeweiligen Herrschaftsträger abhing. Diese legten zur Wahrung ihrer Interessen die Bedingungen dafür fest: finanzielle Abgaben, berufliche Beschränkungen und oft umfangreiche Vorschriften für Alltag und Zusammenleben von Juden und Christen. Damit verbunden war zwar einerseits die Verpflichtung zum Schutz der Juden als Folge vom Kaiser übernommener Rechte, andererseits aber auch der Anspruch, über Gut und Leben der Juden frei verfügen zu können. Zwar handelten nicht alle Herrschaften einheitlich, jedoch kam es immer wieder zu Vertreibungen der Juden aus ihren Wohnorten, Konfiszierung ihrer Besitztümer nach eigenem Ermessen und letztlich auch zu schlimmeren Folgen für Leib und Leben der jüdischen Bevölkerung.

Im 15./16. Jahrhundert hatten viele der oben genannten Territorien und Reichsstädte die Juden vollständig und definitiv aus ihren Gebieten vertrieben, wodurch diese zur Suche neuer Ansiedlungsmöglichkeiten gezwungen waren. Nicht zuletzt damit hängt die Entstehung von Landjudengemeinden in Schwaben zusammen. Doch ist die Existenz von einzelnen Juden oder Familien und auch Gemeinden in zahlreichen Orten, teilweise nur vorübergehend, auch schon aus vorhergehenden Jahrhunderten, (erstmalig 1212) bezeugt.

Die Juden in Schwaben waren überwiegend als Händler tätig, sie handelten mit Vieh, Getreide und auch als Geldverleiher; Landwirtschaft und Handwerk waren ihnen bis ins 19. Jahrhundert verwehrt. Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse waren meist bescheiden, auch wenn es zu bestimmten Zeiten einzelne reiche und privilegierte jüdische Personen gab. Hofjuden waren in kaiserlichem bzw. landesherrlichem Dienst als Kaufleute, Finanziers oder auch Armeelieferanten tätig. Allgemein waren die Juden für die Herrschaftsinhaber interessant als Einnahmequelle, da sie zusätzlich zu den auch für Christen geltenden Steuern mit zusätzlichen Abgaben belegt werden konnten.

Nach der schrittweise herbeigeführten Gleichstellung der Juden in Bayern im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es ab 1861 zur vollständigen Integration in Gesellschaft, Wirtschaft und politische Verhältnisse. Die Zahl der jüdischen Einwohner Schwabens war auf über 6000 Personen gestiegen, deren Wohnorte sich zunehmend von den kleinen Landgemeinden in grössere Orte wie Krumbach und Ichenhausen und vor allem in die Städte Augsburg, Kempten und Memmingen verlagert hatte.

 

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