Die jüdischen Friedhöfe in Breslau

Ein bis heute erhaltener Grabstein von 1203 stellt das älteste jüdische Grabmal in Breslau und ganz Polen dar. Errichtet wurde es für Rabbi David, einem Kantor einer damaligen Synagoge. Er stammt aus dem ältesten jüdischen Friedhof der Stadt, der möglicherweise schon im 12. Jahrhundert existierte. 1345 wurde er aufgelassen und die Grabsteine für Bauarbeiten freigegeben. Im Laufe der Jahrhunderte tauchten einzelne Grabsteine oder Bruchstücke wieder auf und konnten bis heute erhalten werden. Sie sind Teil der Bestände des archäologischen Museums, teilweise wurden sie an der Mauer neben dem Eingangstor des Alten Friedhofs Lohestraße befestigt.

Auch ein weiterer Friedhof, der von 1760 bis 1856 bestand, ist nicht mehr vorhanden. Nach der Schließung konnte im gleichen Jahr der “Alte Jüdische Friedhof” Lohestraße (Ul. Slezna) eingeweiht werden.

Bis 1942 erfolgten hier Beerdigungen, dann wurde die Schließung angeordnet. In den Kämpfen um Breslau am Ende des 2. Weltkriegs war das Friedhofsgelände Schlachtfeld und erlitt schwere Schäden.

Nach dem Ende des Krieges geriet der Friedhof praktisch in Vergessenheit und war dem Verfall preisgegeben. Erst 1975 erklärten ihn die polnischen Behörden zum Denkmal und leiteten die Sanierung ein. In mehreren Phasen entstand hier eine Abteilung des archäologischen Museums.

In seinem heutigen Zustand beherbergt der Friedhof rund 12.000 Gräber auf einer Fläche von 4,6 ha. Neben konventionellen Grabsteinen findet man beeindruckende Bauwerke, wie Mausoleen, Sarkophage, Portale und Grüfte. Die teilweise herausragenden Monumente präsentieren sich in vielen Stilarten, von der Gotik bis zu Renaissance und Barock und auch mit Elementen des Jugendstils. Kapellen, Säulen, Arkaden und viele verschiedene Zierelemente sind zu finden. Grase, Ausführung und Baumaterial der Grabmäler legen Zeugnis vom Wohlstand der Bürger und ihrer Bedeutung für die Stadt ab.

Der Friedhof spiegelt insgesamt die hohe kulturelle Bedeutung Breslaus und seiner jüdischen Bürger wieder. Bekannte und einflussreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft sind hier bestattet, ihre Grabmäler wurden zum Teil wieder instand gesetzt. Einige bekannte Namen sind:

Ferdinand Lassalle - 1825 - 1864, Gründer der Sozialdemokratie in Deutschland
Heinrich Graetz - 1817 - 1891, bedeutender Historiker
Auguste und Siegfried Stein, die Eltern von Edith Stein (Heilige Teresa Benedicta vom Kreuz).