Jüdisches Leben in Wesel

Dokumente über jüdisches Leben in Wesel finden sich erstmalig für das Jahr 1266. Durch die Verfolgungen im Rahmen der Kreuzzüge bis hin zu den Pestpogromen um 1350 lassen sich nur einzelne jüdische Familien in Wesel nachweisen.

Eine bescheidene jüdische Gemeinde war gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstanden, ein Jahrhundert später hatte sich eine bedeutende und erfolgreiche Gemeinde entwickelt. Um das Jahr 1900 betrug die maximale Anzahl jüdischer Bürger 300 Personen. Sie spielten im Wirtschaftsleben eine bedeutende Rolle.

Die erste Synagoge wurde vermutlich um das Jahr 1600 gebaut. Ab 1643 residierte dort der Landesrabbiner. Im Jahre 1692 baute die Familie Gompertz eine private Synagoge. Möglicherweise wurde eine der Synagogen von der sephardischen Gemeinde für eigene Gottesdienste genutzt.
Die neue Synagoge wurde 1841 an der Rheinstrasse gebaut und im November 1938 zerstört.

In Wesel existieren 2 Friedhöfe. Der Friedhof an der Esplanade stammt aus dem 17. Jahrhundert, der Friedhof am Ostglacis wurde vom Jahre 1880 an belegt.

Schicksalsjahre

In Wesel existierten um 1930 herum neben einer jüdischen Volksschule und der Synagoge zahlreiche Vereine, die verschiedenen Zwecken dienten. Es existierten zahlreiche Geschäfts- und Handwerksbetriebe, Ärzte, Rechtsanwälte und Kaufhäuser, die Juden gehörten und die in den normalen Betrieb der Stadt voll integriert waren.

Die im April 1933 anlaufenden Boykottmassnahmen führten dazu, dass jüdische Bürger, die es sich leisten konnten und die entsprechende Verbindungen besassen, ins Ausland flohen. Viele Juden konnten den Ernst der Lage nicht erkennen, da sie komplett in die Weseler Bürgerschaft integriert waren und sich nicht bedroht fühlten.

Im November 1939 wurden neben der Synagoge fast alle Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstört. Menschen wurden systematisch verfolgt. Wer konnte, wanderte aus oder floh.
Die nach 1941 noch in Wesel wohnenden 87 Juden wurden in Konzentrationslager gebracht und ermordet.

Stolpersteine

In Wesel bestehen sehr aktive Gruppen, die an der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte mitwirken. Der Christlich – Jüdische Freundeskreis ist sehr aktiv, in vielen Schulen laufen Projekte, die Weseler Denkmalbehörde leistet sehr gute Arbeit.

Für die Restaurierungsarbeiten auf Weseler, aber auch anderen Friedhöfen am Niederrhein hat der Steinmetz Manfred Messing 2009 den Bundespreis für Denkmalpflege bekommen.

Im Dezember 2009 wurden die ersten 10 Stolpersteine von Gunter Demnig gesetzt, 2016 sind es schon 94 Siene, insgesamt sollen es im Laufe der Zeit 150 Steine werden.