Juden in Mannheim

Die heutige moderne Großstadt Mannheim ging aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Orte an Neckar und Rhein hervor. Zählte das Dorf Mannheim um 1566 erst ca. 700 Einwohner, so begann 40 Jahre danach  der Aufstieg zur Stadt mit der Planung eines gitterförmigen Straßennetzes. 1607 verlieh Kurfürst Friedrich IV von der Pfalz Mannheim die Stadtrechte. Die Niederlassung von Juden ist erstmals für 1652 bezeugt, eine erste Judenkonzession wurde 1660 erlassen.

Ab 1698 gestatteten die jeweiligen Kurfürsten die Niederlassung von immer mehr, vor allem wohlhabenden jüdischen Familien. Ziel war die Wiederbelebung der unter den Kriegsfolgen leidenden Stadt, Als 1720 Mannheim Residenzstadt wurde, entstand ein zusätzlicher Aufschwung, an dem die jüdischen Einwohner wesentlichen Anteil hatten. Großen Einfluss gewannen die sog. Hoffaktoren, die den Kurfürsten als Kreditgeber und Minister dienten.

1771 lebten in Mannheim 1023 Personen jüdischen Glaubens, was einem Anteil von rd. 14% an der Gesamtbevölkerung entsprach. Knapp 100 Jahre später, 1875, hatte sich die Zahl der jüdischen Einwohner auf rund 3800 erhöht, immer noch über 8 % der stark gewachsenen Gesamteinwohnerzahl. Der höchste Stand wurde 1925 mit rund 7 000 Juden erreicht, das machte über 3 % der Einwohner der immer weiter gewachsenen Handelsstadt aus.

Obwohl die Mannheimer Juden inzwischen weitgehend in das gesellschaftliche Leben der Stadt integriert waren, fing schon 1933 nach der Machtübernahme durch die Nazis die Verunglimpfung, Behinderung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung an. Vielen gelang die Flucht oder Auswanderung, tausende wurden jedoch deportiert, zunächst in das südfranzösische Gurs, später in die Vernichtungslager in Osteuropa. Eine Gedenkskulptur in Form eines Glaskubus erinnert seit 2003 an die 2240 ermordeten Mannheimer Juden. Im Jahre 2012 hat die wieder erstandene jüdische Gemeinde rund 500 Mitglieder.