Jüdisches Leben in Schermbeck

Schermbeck liegt nördlich des Ruhrgebietes an der Lippe zwischen den Städten Dorsten und Wesel.

Als  ersten Nachweis einer jüdischen Besiedlung findet man im Jahr 1635 einen Eintrag im Kirchenbuch der evangelischen Gemeinde. Wenig später, im Jahre 1676 wurde der erste Jude, ein Mann mit Namen Philippus, in Schermbeck beigesetzt.

Im 17. Jahrhundert bestand die jüdische Gemeinde nur aus wenigen Familien. Im 18. und 19 Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Bewohner bis auf fast 100 Mitglieder an. Schermbeck war die grösste jüdische Landgemeinde am Niederrhein. Bis 1930 ging die Anzahl der Juden in Schermbeck bis auf 10 zurück.

Ab 1798 ist ein privater Betsaal nachweisbar. 
Im Jahre 1810 wurde mit dem Bau einer Synagoge in der heutigen Georgstrasse begonnen. Sie wurde bis 1935 benutzt. Unmittelbar neben der Synagoge befanden sich ein Schulraum und die Mikwe in einem Privathaus.

Schicksalsjahre

Am 10. November 1938 wurden die Synagoge verwüstet, die Einrichtung am nächsten Tag verbrannt. Auch die Häuser jüdischer Bürger wurden zerstört.
Marga Randall, geborene Silbermann, die diese Verfolgungen als Mädchen in Schermbeck erlebte, berichtet in ihrem Buch in eindrucksvoller Weise davon.

Die Reste der Synagoge wurden durch Luftangriffe völlig zerstört. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an den Bau. Auch vom Nachbarhaus, in dem sich Schulräume und die Mikwe befanden, ist nichts mehr vorhanden.

Die jüdischen Bewohner von Schermbeck wurden fast alle in Vernichtungslager gebracht und ermordet.

Auf Schermbecker Gebiet richtete der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ein Heim für jüdische Kinder, das „Haus Berta“ ein. Hier wurden in Not geratene Kinder betreut und auf die Emigration nach Israel vorbereitet. Das Haus wurde 1938 von der Gestapo zerstört.

Stolpersteine

Schermbeck beschäftigt sich intensiv mit seiner jüdischen Geschichte. Der ehemalige Pfarrer Wolfgang Bornebusch hat sich aktiv um die jüdische Vergangenheit Schermbecks gekümmert und viele Details der Geschichte aktenkundig gemacht. 
Arbeitsgemeinschaften der örtlichen Schulen haben besonders die jüngere Vergangenheit vorbildlich dargestellt.

Von 2010 an, letzmalig bisher im Juni 2016 hat der Künstler Gunter Demnig zahlreiche seiner Stolpersteine an der Stelle der ehemaligen Synagoge und in der Stadt verlegt.