Schicksalsjahre

Bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren die Juden in Deutschland weitgehend integriert und akzeptiert. Obwohl sich am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in der Gesellschaft antisemitische Strömungen entwickelten, setzten sich die deutschen Juden für das Kaiserreich ein. Auch viele Werner Juden meldeten sich als Kriegsfreiwillige, doch nur wenige kamen in die Heimat zurück.

Major Alwin Lippmann aus Werne, der durch seine hohen Verdienste während des 1. Weltkrieges gar für den Orden „Pour le merite” vorgeschlagen worden war, gehörte zu diesen wenigen. Aber auch ihn ereilte das Schicksal wie so viele andere Werner Juden. Er wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem Konzentrationslager umgebracht.

Waren 1933 in Werne noch 47 jüdische Bürger in neun Familien verzeichnet, so lebten zur Zeit des Novemberpogroms 1938, der sog. „Reichskristallnacht", unter den 11 517 Werner Bürgern nur 40 Juden, die in der folgenden Zeit schlimmen Verfolgungen ausgesetzt waren. Sie durften nur einmal wöchentlich Lebensmittel einkaufen und erhielten nur knapp ein Drittel der Ration. Einige Werner Bauern unterstützten sie durch die Abgabe von Brot und Kartoffeln. So wurde ihnen über die schlimmste Not hinweggeholfen.

Öffentliche Einrichtungen wie Parks, Sportstätten, Badeanstalten oder Kinos durften sie nicht betreten.

Nur wenig Aufzeichnungen sind über die nationalsozialistische Zeit vorhanden. Diese geben mit den Augenzeugenberichten über die „Reichskristallnacht” einen kleinen Eindruck über die Schreckens- und Schicksalsjahre der Werner Juden. [3]