Der Friedhof in Diersburg

Die seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts in Diersburg wohnenden Juden errichteten 1773 einen eigenen Friedhof, dessen Gelände sie von der Ortsherrschaft, den Freiherren von Roeder zu Diersburg, erwarben. Zuvor waren die verstorbenen Diersburger Juden auf dem jüdischen Friedhof von Offenburg, vereinzelt auch in Schmieheim bestattet worden.

Er lag ursprünglich außerhalb des Ortes, bei dem Gelände handelte es sich, wie in vielen Fällen, um wirtschaftlich weniger wertvollen Grund. Heute liegt der Friedhof innerhalb des Dorfes, ein Wohngebiet erstreckt sich nur wenige Meter entfernt.

Die Fläche des Friedhofs beträgt nach mehreren Veränderungen 1358 m2. Insgesamt 207 Gräber sind heute noch vorhanden, angeordnet in mehreren Reihen entlang dem Hang auf der einen und dem Dorfbach auf der anderen Seite. Die Namensdaten ergeben 103 männliche und 102 weibliche Namen.

Als Material für die Grabmale diente überwiegend der landestypische Buntsandstein, daneben sind einige Steine, meist aus jüngerer Zeit, in Granit ausgeführt. Auch einige Marmortafeln sind anzutreffen.
Die Stelenform und das Material weisen eine gewisse Einheitlichkeit auf, jedoch sind durchaus bemerkenswerte Einzelheiten festzustellen:
An Symbolen sind relativ häufig die segnenden Hände vertreten, das Schofar (Horn) kommt verschiedentlich vor, ebenso der Davidstern sowie Ziermotive wie Blume, Krone und Herz.
Die Stelen sind meist oben gerundet, gelegentlich auch abgeflacht oderin dreieckiger Form. Gotisierende Formen kommen vor, ebenso Aufsätze mit floraler Gestaltung, aber auch fast moderne Ornamentik mit gemeisselten Zierleisten. Die Regel ist der Einzelstein, mehrfach sind auch Doppel- und in einem Fall ein Dreifachstein verwendet.

Die Inschriften sind teils in hebräischer Sprache, teilweise deutsch und hebräisch gehalten. Vor allem die älteren Steine enthalten Aussagen über Alter, Abstammung, Verdienste oder Ämter der Verstorbenen. Vereinzelt finden sich lobende Gedichte in deutscher Sprache auf der Rückseite der Grabsteine.

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