Der Friedhof in Röbel

Nahe der alten Stadt Röbel soll bereits um das Jahr 1200 ein jüdischer Friedhof vorhanden gewesen sein. Sichere Daten fehlen jedoch.

Als Friedhof wurde im Jahre 1700 eine Fläche von ca. 33 qm an der Mirower Straße, vor der ehemaligen Stadtmauer, gekauft und einige Jahrzehnte später eingezäunt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es wegen der steigenden Mitgliederzahlen der Gemeinde zu einer Erweiterung des Friedhofs, da die Fläche für die Beerdigungen nicht mehr ausreichte. Unterlagen über die Bestattungen sind nicht erhalten. Die letzte Bestattung fand 1937 statt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und vor dem ersten Weltkrieg kam es parallel zum Erstarken des Antisemitismus zu Friedhofsschändungen. 1938 wurde der gesamte Friedhof durch die SA stark beschädigt, 1942 wurden die eisernen Gitter und andere Metallteile demontiert und eingeschmolzen, die meisten Grabsteine wurden an einen Steinmetz verkauft.

Endgültig zerstört wurde der Friedhof, als 1945 die Rote Armee hier ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Später wurde auf dem Gelände eine Tankstelle errichtet. Heute sind nur noch zwei Grabsteine erhalten, die auf dem Hof der restaurierten Synagoge und an einer der Stadtkirchen aufgestellt sind.

Als 2002 ein Supermarkt auf dem Friedhofsgelände errichtet werden sollte, wurde Protest laut. Ein Deutsch - Armenisches Workcamp errichtete Stelen aus Beton und Lehm, die an die ehemaligen Grabsteine erinnern sollen. Die Stelen wurden mehrfach zerstört.

Von dem eigentlichen Friedhof ist nichts mehr vorhanden. Die Einfriedung und die Stelen stammen von einer Aktion aus dem Jahre 2003. Mitten über den Friedhof führt ein Fußweg. Und wenn nicht einige wenige Menschen Widerstand geleistet hätte, dann stünde der Supermarkt jetzt mitten auf dem Friedhof. 

Der jüdische Friedhof in Röbel hat mich sehr berührt, aber anders als vergleichbare Friedhöfe:

Auf der einen Seite die bemerkenswerten Bemühungen einer Gruppe von Jugendlichen aus aller Welt, die Erinnerung wach zu halten. Ein Heimatverein, der zahlreiche Publikationen herausgibt.

Auf der anderen Seite die traurige Gleichgültigkeit im Umgang mit diesem Friedhof. Ein Trampelpfad mitten über das Gelände, keine Umzäunung und vor Jahren um ein Haar ein Supermarkt mitten auf dem Friedhof.
Schändungen und Verwüstungen dieses Geländes passen sich nahtlos in diese Gleichgültigkeit ein.