Juden in Hessen

Für die Beschäftigung mit den jüdischen Friedhöfen in Hessen ist es zweckmässig, ja notwendig, auch einige Einblicke in die Geschichte der Juden in diesem Raum zu gewinnen. Zwar ist eine einheitliche historische Aussage auch deshalb nicht möglich, weil das heutige Bundesland Hessen nicht mehr direkt vergleichbar ist mit den historischen Teilgebieten. Dennoch sollen einige grundlegende Fakten erwähnt werden.

Die früheren Gliedteile Hessen-Darmstadt, Kurhessen, das Herzogtum Nassau, Gebiete die zur früheren preussischen Rheinprovinz gehörten (z.B. Kreis Wetzlar), ehemals kurmainzische Gebiete wie z.B. Rheinhessen sowie die vielen reichsritterschaftlichen Territorien vor allem im Odenwald und der Wetterau haben sehr unterschiedliche politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen erfahren. Entstehung, Verlauf, Bedeutung und  Schicksal der jüdischen Gemeinden sind davon stark beeinflusst worden.

In den Gebieten der einst reichsunmittelbaren Ritterschaften waren  besonders viele kleine jüdische Gemeinden entstanden, was darauf zurückzuführen war, dass diese Standesherren ein deutlich geringeres Schutzgeld für die Ansiedlung von Juden verlangten, als die grösseren Staatsgebilde oder Städte. Die Verteilung jüdischer Gemeinden im hessischen Gebiet änderte sich dann, als im 19. Jahrhundert den Juden Freizügigkeit gewährt wurde. Dadurch entstand ein Zug in Richtung der grösseren Städte bzw. verkehrmässig günstiger gelegener Orte.

In Frankfurt am Main lebten Juden bereits im 9. Jahrhundert, zur Zeit Karls des Grossen,  und auch in den rheinhessischen Gebieten um Mainz und Worms bestanden jüdische Gemeinden schon im 11. Jahrhundert. In Oberhessen gehen die ältesten jüdischen Siedlungen  auf das 12. Jahrhundert zurück, vor allem in der Wetterau und Vogelsberg.

Nach der Auslöschung jeglichen jüdischen Lebens durch die Nationalsozialisten, haben sich ab 1945 nur wenige Gemeinden neu gebildet und ihre Zusammensetzung ist völlig anders als früher. Neben Frankfurt spielen heute die grösseren Städte wie Offenbach, Wiesbaden, Bad Nauheim und Darmstadt eine gewisse Rolle, während kleine ländliche Gemeinden nicht mehr entstanden.(Quelle: Arnsberg, Frankfurt 1971)