Jüdisches Leben in Bamberg

Erste jüdische Bewohner werden in Bamberg um das Jahr 1000, also zur Zeit der Gründung des Bistums, erwähnt. Sie siedelten hier vermutlich als Kaufleute, weil eine wichtige Handelsstrasse durch Bamberg nach Norden führte.

Eine jüdische Gemeinde gab es am Ende des 12. Jahrhunderts. Sie wird in Reiseberichten erwähnt und war mit dem bekannten Rabbi Ben Baruch Babenberg sehr bekannt. Er leitete eine Talmudschule, aus der berühmte Gelehrte hervorgingen.

Zu Verfolgungen mit der Ermordung zahlreicher Juden kam es immer wieder. Erstmalig wurden während des ersten Kreuzzugs im Jahre 1098, dann nach angeblichen Hostienschändungen und Brunnenvergiftungen während der Pestepidemien Juden umgebracht. Auch in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Übergriffen und Vertreibungen. 
Erst im Jahre 1861 wurden die Juden formal ihren christlichen Mitbürgern gleichgestellt. In der Folge waren sie sozial und wirtschaftlich integriert und gelangten oft zu Wohlstand und Ansehen.

Trotzdem war der Antisemitismus immer wieder latent vorhanden. Zwischen 1933 und 1943 wurden die Bamberger Juden boykottiert, vertrieben, verfolgt und gedemütigt. Von 1000 Juden, die 1933 zur Gemeinde gehörten, konnten wenige ins Ausland fliehen, die meisten wurden ermordet.

Heute existiert wieder eine lebhafte jüdische Gemeinde von fast 1000 Mitgliedern in Bamberg. Viele der heutigen Mitglieder sind aus Russland zugezogen.

Es hat in Bamberg schon sehr früh Synagogen gegeben. Es hat sich eingebürgert, die Synagogen in der Reihenfolge ihrer Entstehung zu nummerieren. Die „Erste Synagoge“ wurde wahrscheinlich schon im 12. oder 13. Jahrhundert gebaut. Sie wurde im 15. Jahrhundert zu einer Kirche umgebaut und wird heute von einer freikirchlichen Gemeinde benutzt.

Die „Zweite Synagoge“ stand in der Hellerstrasse. Sie wurde nur einige Jahrzehnte im 15. und 16. Jahrhundert benutzt und ist nicht erhalten.

Die  „Dritte Synagoge“ wurde im 17. Jahrhundert erbaut, war als Ruine in Resten erhalten und wurde erst 1985 abgerissen. Die Erweiterungen und Anbauten an dieses Gebäude wurden als „Vierte Synagoge“ bezeichnet.

Die „Fünfte Synagoge“ war ein großes Gebäude mit einer hohen Kuppe, das im Jahre 1908 begonnen und während der Pogrome im November 1938 zerstört wurde.

Nach dem Krieg wurde die Sechste, im Jahre 2005  die „Siebte Synagoge“ in der Lessingstrasse als Heimat der heutigen Gemeinde gebaut. Sie ist ein großes Gebäude mit Mikwe, Andachtssaal und zahlreichen weiteren Räumen für das Gemeindeleben.

Weiterführende Informationen über die Geschichte der Bamberger Juden findet man beim Jüdischen historischen Verein Augsburg. (www.jhva.wordpress.com)

Gedenkstein an die zerstörte 6. Synagoge (Quelle: Wikimedia, GFreihalte)
Eingang zur Synagoge in der Lessingstr. (Foto: Jüdischer Historischer Verein Augsburg)
Der Innenraum der heutigen Synagoge (Foto: Jüdischer Historischer Verein Augsburg)
Die Mikwe in der neuen Synagoge (Foto: Jüdischer Historischer Verein Augsburg)