Der Friedhof Berlin-Weißensee

Angelegt/eingeweiht: 09.09.1880

Grösse:  ca. 41 Hektar = 410.000 qm

Grabstellen:   über 115.000

Seit 1977 Denkmal der Kulturgeschichte.

Durch das rasante Wachstum der Stadt Berlin lebten auch immer mehr jüdische Bürger in der Stadt und es zeichnete sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ab, dass der vorhandene Friedhof (Schönhauser Allee) in absehbarer Zeit belegt sein würde. Daher entschloss sich die jüdische Gemeinde einen neuen Begräbnisplatz in Berlin-Weißensee anzulegen.

Mit seinen ca. 41 Hektar ist dieser Friedhof der flächenmässig  grösste noch erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Das in Form eines Gitternetzes aufgeteilte Areal weißt einen alten Baumbestand auf und erweckt so den Eindruck eins grossen Parks. Der Friedhof ist rundum mit einer hohen Mauer umgeben.

Im Eingangsbereich ist ein Rondell angelegt, in dessen Mitte ein Gedenkstein an die sechs Millionen Toten des Holocaust erinnert. Auf der Begrenzung des Rondells sind Tafeln mit den Namen von Konzentrationslagern angebracht. Hinter dieser Gedenkstätte erheben sich die Gebäude mit Trauerhalle, Verwaltung und Archiv.

Auf älteren jüdischen Friedhöfen findet man in der Regel einfache und einheitlich gestaltet Gräber vor. In Weißensee wurden nun auch üppigere Grabstätten zugelassen. Begüterte Juden ließen sich in aufwändigen Grabstätten oder einem Mausoleum bestatten. Große Anlagen sind z.b. an den Außenmauern angelegt. Zu Anfang wurden die Grabsteine nur mit hebräischen Schriftzeichen versehen. Dies änderte sich mit der Zeit und neben der hebräischen Schrift sind Inschriften auch in der deutschen Sprache zu sehen. Da eine Feuerbestattung möglich wurde sind mehrere  Urnenfelder auf diesem Friedhof zu finden.

Im hinteren Teil des Friedhofes liegen Ehrengräber für die jüdischer Soldaten welche im 1.Weltkrieg gefallen sind. Mit einem Ehrenmal wird dieser Toten gedacht.

Auch auf diesem Friedhof hat der Nationalsozialismus seine Spuren hinterlassen. Am Beginn der Gräberfelder befindet sich das Grab von Herbert Baum, einem Widerstandkämpfer gegen den Nationalsozialismus. Auf der Rückseite des Grabsteins sind die Namen von 27 Mitgliedern der Gruppe Baum aufgeführt, die ebenfalls hingerichtet wurden.

Die Zahl der Bestattungen nahm nach dem Jahre 1933 dramatisch zu, da eine grosse Zahl von Juden Selbstmord beging. Nach dem Krieg wurde Asche von in Konzentrationslagern ermordeten Juden in einem gesonderten Feld beigesetzt. Familien erinnern mit kleinen Gedenksteinen an im KZ umgebrachte Familienangehörige.

Bei den zahlreichen Bombenangriffen auf Berlin wurde auch der Friedhof getroffen. Die Friedhofsgebäude und zahlreiche Gräber wurden zerstört. Von den 583 Thorarollen die in der Feierhalle versteck waren gingen viele ganz oder teilweise verloren. Für ca. 90 Rollen, die zu stark zerstört waren, gibt es eine entsprechende Grabstätte auf diesem Friedhof. Die geretteten Thorarollen wurden verschiedenen Synagogen übergeben.

Nach dem 2. Weltkrieg lebten nur noch wenige Juden in Berlin. Zudem war die Stadt geteilt und die jüdische Gemeinde im westlichen Teil der Stadt hatte einen eigenen Friedhof einrichten müssen. So konnte der Friedhof in Weißensee nur wenig genutzt und gepflegt werden. Erst 1977 wurde dieser jüdische Friedhof von der Stadtverwaltung in Ostberlin als „Denkmal der Kulturgeschichte“ anerkannt. Somit übernahm die Stadtverwaltung die Kosten für Pflege und Instandhaltung. Die zwischen 1933 und 1945 angerichteten Schäden sind auf diesem Friedhof jedoch so gross, dass auch das Engagement der Stadt Berlin nach der Wiedervereinigung nicht ausreicht um die Würde des Friedhofs zu gewährleisten.

Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten wurden auf diesem Friedhof bestattet. Unter anderem:

Sigmund Aschrott:                      Stadtplaner und Verleger  

Benno Orenstein und

Arthur Koppel:                             Industrielle  Orernstein & Koppel

Julius Berger:                               Berger – Tiefbau AG. (Bilfinger & Berger)

Adolf Jandorf:                             Gründer einer Warenhauskette, u.a.KaDeWe

Berthold Kempinski:                  Gründer der Hotelgruppe Kempinski

Hermann und Oskar Tietz:         Warenhausgründer (heute Kaufhof)               

Samuel Fischer:                            Gründer des S. Fischer Verlags

Stefan Heym:                               Schriftsteller               

 

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Zu Quellen und Literatur