Der Friedhof Schönhauser-Allee

Angelegt/eingeweiht: 29.06.1827

Grösse: ca. 5 Hektar = 50.000 qm

Grabstellen: ca. 23.500

Bis in das 20.Jahrhundert hinein war es geboten und üblich Friedhöfe ausserhalb von Stadt- und Gemeindegrenzen anzulegen. Da bereits im 19.Jahrhundert viele Städte rasant wuchsen lagen viele Friedhöfe nun innerhalb der neuen Stadtgrenzen. Dies hatte zur Folge, dass an vielen Orten neue Friedhöfe angelegt werden mussten. Dies galt auch für den jüdischen Friedhof in Berlin (heute Berlin-Mitte, Gr.-Hamburger-Str.)

So wurde auf einem neu erworbenen Grundstück 1827 der neue jüdische Friedhof in der Schönhauser-Allee eingeweiht.
Den Friedhof umgibt eine Mauer, an der grosszügig gestaltete Grabstellen angelegt sind.

Hier wurde mit der Tradition der sehr einheitlichen Gestaltung der Gräber und Grabsteine erstmals gebrochen. Auch wurden neben Sandstein nun auch Steinarten wie Granit u.ä. verwendet.

An vielen Grabinschriften lässt sich erkennen wie sich Juden den herrschenden gesellschaftlichen Formen anpassten und z.b. auf den Grabsteinen Inschriften in deutschen Lettern anbringen liessen. Üblich und vorgeschrieben waren hebräische Schriftzeichen und Symbole auf Grabsteinen.

Der Eingang zum Friedhof liegt an der Schönhauser-Allee. In der südöstlichen Begrenzungsmauer gab es jedoch ein zweites Tor; zu diesem führte der so genannte ca. 400m lange „Judengang“. Angeblich musste dieser Weg angelegt werden, da König Friedrich Wilhelm III auf seiner Fahrt über die Schönhauser-Allee zum Lustschloss Schönhausen keinem jüdischen Leichenzug begegnen wollte. Dieser Gang ist heute geschlossen aber noch erkennbar.

Während des 2. Weltkrieges (und auch nach 1945) wurde dieser Friedhof schwer beschädigt und geschändet. Da die Stadt Berlin seit der Einweihung des Friedhofs schnell gewachsen war lag er nun fast schon im Bereich der Innenstadt. Dies hatte Zerstörungen durch Bomben und andere Kriegshandlungen zu Folge. Auch Trauerhalle und Verwaltung fielen der Vernichtung zum Opfer. 1988 und 1997 wurden willkürlich Gräber zerstört und Grabsteine umgeworfen, der Friedhof somit erneut geschändet.

Seit 1990 ist man nun dabei die Schäden zu beseitigen und diesen jüdischen Friedhof wieder würdevoll zu gestalten. Ein Teil der beschädigten Steine konnte bei der Wiederherstellung des Friedhofs nicht mehr dem entsprechenden Grab zugeordnet werden. Mit dem “Lapidarium“, gebaut auf dem Grund der ehemaligen Trauerhalle, ist für diese Steine ein „Ort der Bewahrung“ geschaffen worden.

An heute noch bekannten Persönlichkeiten liegen u.a auf diesem Friedhof begraben:

  • Gerson von Bleichröder (1822–1893), Bankier von Reichskanzler Bismarck
  • Max Liebermann (1847–1935), Maler
  • Giacomo Meyerbeer (1791–1864), deutscher Komponist
  • Leopold Ullstein (1829–1899), Verleger

 

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