Juden in Berlin

Die erste urkundliche Erwähnung von Juden in Berlin stammt aus dem Jahr 1295, in Brandenburg gab es jedoch schon früher jüdische Händler. In dieser Zeit waren die Juden wie überall von den jeweiligen Landesfürsten abhängig, die ihre Ansiedlung zu genehmigen hatten und die Lebensbedingungen diktierten. Ihre Tätigkeitsbereiche waren beschränkt, der Schwerpunkt lang im Handel und Geldverleih.

Die Juden mussten immer wieder Verfolgungen und Vertreibungen erdulden. So wurden sie 1446 vollständig aus der Mark Brandenburg vertrieben und nach einer kurzen Phase der Neuansiedlung erfolgte 1593 eine Vertreibung “für alle Ewigkeit”.
Erst 1671 kamen wieder 2 jüdische Familien nach Berlin, denen bald weitere folgten, sodass um 1700 117 Familien verzeichnet wurden. Gründung einer jüdischen Gemeinde, Errichtung eines Friedhofs und später der Bau einer Synagoge wurden vom Landesherrn gestattet.

Nach und nach erfolgte zwar eine Lockerung der Beschränkungen, jedoch lasteten auf den Juden bis zum preussischen Judenedikt 1812 erhebliche finanzielle Lasten und Einschränkungen. Die danach eingeführte teilweise rechtliche Gleichstellung der Juden liess ein reges kulturelles und gesellschaftliches Leben in Berlin entstehen. Berlin entwickelte sich bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 zu einem der grössten und bedeutendsten jüdischen Zentren in Deutschland. Zu dieser Zeit lebten in der Stadt rund 160 000 Juden - ein Drittel der in ganz Deutschland lebenden Juden.

In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurden 55.000 Juden von den Nationalsozialisten ermordet, der grösste Teil der anderen wurde vertrieben oder konnte fliehen. Bei Kriegsende Mai 1945 lebten nur noch ca. 9000 Juden in Berlin, die teils im Untergrund, teils auf andere Art überlebt hatten.

In der Nachkriegszeit und insbesondere nach der Wiedervereinigung Deutschlands entstanden wieder jüdische Gemeinden und Einrichtungen in Berlin. Der Zuzug jüdischer Einwanderer vor allem aus der ehemaligen Sowjet-Union führte zu einer starken Vergrösserung der jüdischen Gemeinden, die heute wieder die grösste Mitgliederzahl in Deutschland (rund 12 000) aufweisen. Wiederherstellung und Neubau von Synagogen und Schulen und die Schaffung von Einrichtungen für Erwachsenenbildung, Jugendbetreuung Senioren u.v.m. wurden realisiert.