Der Friedhof Berlin-Mitte Grosse Hamburger Str.

Angelegt/eingeweiht: 1672

Grösse:  ca. 0,59 Hektar = 5.900 qm

Grabstellen:   ca. 7.063 lt. Beerdigungsregister von 1751-1827
                         2.767 gezählt 1870 bei der Schliessung des Friedhofs

Nur noch eine Gedenktafel, die wiederhergestellte Grabstelle von Moses Mendelssohn und einige ausgestellte historische Grabsteine erinnert heute an diesen jüdischen Friedhof und seine Zerstörung durch die Nationalsozialisten.

Nach dem Judenkiewer Spandau (1314 urkundlich erwähnt)[siehe Link] ist der jüdische Friedhof in Berlin-Mitte der älteste der Berliner jüdischen Gemeinde. Heute im Zentrum der Stadt gelegen wurde der Friedhof 1672 weit vor dem Ort angelegt und eingeweiht. Genaue Belegzahlen sind nicht eindeutig feststellbar. In alten Quellen werden 12.000 Beerdigungen angegeben, in einem Beerdigungsregister von 1751-1827 sind 7.063 Beisetzungen aufgeführt und bei der Schliessung des Friedhofes wurden 2.767 Gräber gezählt. Nach jüdischer Tradition waren die Gräber schlicht und zumeist einheitlich Gestaltet. Der Eingang lag an der Oranienburgerstr. Hier wurde 1829 das erste Altenheim der jüdischen Gemeinde erbaut. Ein neues grösseres Altenheim wurde 1844 an der Grossen Hamburger Str. eröffnet.

1794 wurde bereits angeordnet, dass Bestattungen nur ausserhalb bewohnter Gebiete vorgenommen werden durften. Dies bedeutete 1827 die Schliessung des Friedhofes an der Grossen Hamburger Str. und die Schaffung einer neuen Beerdigungsstätte, des Friedhofs an der Schönhauser Allee.

„Seit 1844 befand sich vor dem Friedhof das erste jüdische Altersheim, links daneben die Knabenvolksschule. Beide Gebäude wurden 1942 als »Judenlager« der Gestapo in ein Gefängnis mit Gittern und Scheinwerfern umgewandelt. 1943 verwüsteten SS-Leute, ebenfalls auf Befehl der Gestapo, den alten jüdischen Friedhof: Sie schändeten die ausgegrabenen Gebeine der Toten und hoben Splittergräben aus, die mit zertrümmerten Grabsteinen abgestützt wurden. Im April 1945 diente das Areal als Massengrab für gefallene Soldaten und im Bombenhagel getötete Zivilisten.“ (jg-berlin.org/judentum/)

Nach 1945 wurde der Friedhof der jüdischen Gemeinde zurückgegeben und zum Teil in einen in einen öffentlichen Park umgewandelt. An einem Stück noch erhaltener Friedhofsmauer ist eine Gedenktafel angebracht, die auf den ehemaligen Friedhof und seine Zerstörung hinweist. Auf dem Grund des ehemaligen Altenheims wurde 1985 die Skulptur „Jüdische Opfer des Faschismus“ aufgestellt. Diese bereits 1957 gefertigte, dreizehn Personen umfassende Plastik war anfänglich für das KZ Ravensbrück gedacht.

Der einzige auf diesem Friedhof wieder aufgestellte Grabstein ist eine Kopie des ursprünglichen Grabsteins  als Erinnerung an den Philosophen Moses Mendelssohn (G.E. Lessings Vorbild für Nathan der Weise). Die gesamte Anlage steht seit 1974 unter Denkmalschutz.

Der Text zur Wiederinstandsetzung ist aus wikipedia zitiert:

„Instandsetzung als Friedhof

Von 2007 bis 2008 wurden der Friedhof und die Gedenkstätte mit Mitteln des Senats von Berlin und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nach einer Planung des Büros Dr. Jacobs & Hübinger instand gesetzt. Der Friedhof, der nach der Instandsetzung wieder als solcher erkennbar ist, wurde eingefriedet und zur Straße hin durch ein Tor abgetrennt. Eine die Gräberfelder durchschneidende Mauer wurde durch einen transparenten Zaun ersetzt, so dass auch der bisher nicht zur Parkanlage gehörende Teil des Friedhofs wieder sichtbar ist. Wege wurden erneuert und die Flächen der Gräberfelder mit Efeu bepflanzt. Am Eingang wurde ein Wasserbecken zum rituellen Händewaschen installiert und eine Gebetstafel wurde angebracht. Die Lage der Sammelgräber aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde durch eine Informationstafel am Eingang verortet.

Unter Aufwendung erheblicher Mittel der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wurde dann in einem zweiten Schritt die Fläche des früheren Altenheims umgewandelt. Das neue Konzept für die Gedenkstätte sah vor, die Grundmauern des Altenheims durch Suchgrabungen zu ermitteln und durch Aufmauerungen die historische Raumstruktur oberirdisch so wieder sichtbar zu machen. Quer über diese Struktur wurden erkennbar neuzeitliche Wege gelegt, die zu einer in die neu errichtete Friedhofsmauer integrierte Gedenktafel aus der DDR-Zeit, zur umgesetzten Gruppe Lammerts und zum Friedhofseingang führt. Am 24. September 2008 wurden Friedhof und Gedenkstätte im Rahmen einer Feierlichkeit offiziell wiedereröffnet.

Die seit 1988/89 auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee deponierten Epitaphien und Epithaphfragmente wurden im September/Oktober 2009 restauriert, vom Friedhof Weißensee zum Jüdischen Friedhof Große Hamburger Straße transportiert und dort wieder aufgestellt.

Am 17. Dezember 2009 wurde die Aufstellung der Epitaphien im Beisein der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Lala Süßkind, Rabbiner Tovia ben Chorin, Staatssekretär André Schmitz und des stellvertretenden Leiters des Landesdenkmalamtes Berlin Prof. Dr. von Krosigk feierlich eingeweiht. Rabbiner ben Chorin sprach Psalmen und sagte das traditionelle jüdische Totengebet zum Gedenken an die auf dem Bet ha Chajim Bestatteten“.
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Zu Jüdisches Leben in Berlin

Zu Quellen und Literatur