Jüdisches Leben in München

Einen Einblick in das jüdische Leben in München und das vielgestaltige Geschehen im Laufe der Jahrhunderte bieten die Geschichte und das Schicksal der verschiedenen Synagogen Münchens.

Ihre Entstehung, einige Charakteristiken sowie ihr Untergang werden hier vorgestellt. Als Quelle dienten hauptsächlich die Ausführungen von Wolfram Selig in dem Werk „Synagogen und jüdische Friedhöfe in München“ von 1988.

Die Synagoge an der Westenriederstraße (Erbauer Metivier)
Sepiazeichnung von 1889
Sepiazeichnung von 1889 Bild wikipedia gemeinfrei

Nachdem Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts die jüdische Bevölkerung in München auf über 600 Personen angewachsen und 1815 eine neue Kultusgemeinde gegründet worden war, stellte der Bau einer Synagoge eines der wichtigsten Vorhaben dar. Als Architekt wurde der aus Frankreich stammende Jean-Baptist Metivier tätig. Er schuf ein Gebäude mit unauffälliger Fassade, das sich in die Häuserfront gut einfügte. Die prachtvolle Innengestaltung wies Säulen und ein Tonnengewölbe auf, an den Längsseiten befanden sich Galerien für die Frauen. Die Einweihung fand 1826 statt.
Wenige Jahrzehnte später - 1887 - entstand eine neue Hauptsynagoge, sodass das inzwischen baufällige Metivier-Bauwerk 1889 verkauft und abgerissen wurde.
 

Die alte Hauptsynagoge Herzog-Max-Straße
alte Hauptsynagoge
Die alte Hauptsynagoge Herzog-Max-Str. Bild wikipedia gemeinfrei

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war die jüdische Bevölkerung in München stark angewachsen, wovon die folgenden Zahlen zeugen: Von 607 jüdischen Einwohnern im Jahr 1825 war die Zahl bis 1860 auf 1200 Personen gestiegen, 1867 lebten bereits 2067 und 1880 4144 Juden in der Stadt. (Selig)

Die Synagoge von 1826 an der Westenriederstraße war schnell zu klein geworden, so dass an eine Erweiterung oder einen Neubau gedacht werden musste. Nach mehreren vergeblichen Planungen für einen Neubau veranlasste 1882 der bayerische König persönlich, dass der jüdischen  Gemeinde ein Gelände zur Verfügung gestellt wurde. Ab 1884 entstand die neue Hauptsynagoge, ein eindrucksvoller Bau, der bei der damaligen Bevölkerung große Bewunderung und Anerkennung auslöste. Das Gotteshaus enthielt 1000 Plätze für Männer und  600 für Frauen.
1938 musste das großartige Bauwerk auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler abgerissen werden. Es musste zwangsweise kurzfristig für einen lächerlich niedrigen Betrag an die Stadt München „verkauft“ werden.  Schon kurz nach dem Übergang an die Stadt wurde die Synagoge abgerissen, das Gelände eingeebnet.

Die orthodoxe Synagoge an der Herzog-Rudolf-Straße (Ohel Jakob)
die Alte Ohel Jakob - Synagoge
Alte Ohel Jakob Synagoge Bild wikipedia gemeinfei

Ein Teil der Mitglieder der jüdischen Gemeinde in München konnte sich mit den damals eingeführten Neuerungen bei Ablauf der Gottesdienste nicht einverstanden erklären. Sie lehnten u.a. Chorgesang und Orgelmusik ab.
Nach langen internen Diskussionen wurde dann 1891 der Grundstein für eine eigene Synagoge des orthodoxen Gemeindeteils gelegt, und  zwar an der Herzog-Ludwig-Straße. Schon 1892 konnte der Bau eingeweiht werden. Der Stil wird als romanisch bezeichnet, frühere Bilder zeigen ein Gebäude mit Kuppel und großer Rosette. Sie bot Platz für 150 Männer und Frauen.
In der Pogromnacht am 09. November 1938 wurde die Synagoge von der SA geschändet,  angezündet und schließlich abgerissen.

Die Synagoge der Ostjuden

Erstaunlicherweise konnte in München noch im Jahre 1931 eine weitere Synagoge eingeweiht werden. Sie entstand an der Reichenbachstraße. Hintergrund war die starke Zuwanderung von Juden aus Osteuropa, hauptsächlich aus Russland und Galizien, die vor allem vor und nach dem Ersten Weltkrieg eingesetzt hatte. Es wurde berichtet, dass Anfang der 1930er-Jahre 2800 Ostjuden in München lebten. Der Platzbedarf und die speziellen Formen des Gottesdienstes der Zuwanderer führten dazu, dass im Hinterhof eines Hauses eine eigene Synagoge errichtet wurde. Ihr Aussehen wird als ein dreischiffiger Raum von 27 m Länge, 14 m Breite und einer Höhe von 8 m beschrieben.  Sie enthielt 330 Plätze für Männer und 220 für Frauen.
Auch dieses Gotteshaus wurde am 09. November 1938 von SA-Trupps geschändet und angezündet. Nur die Brandgefahr für die umliegenden Häuser führte dazu, dass die Flammen gelöscht  wurden und  die Räume so erhalten blieben.

 

Neubeginn
Tora-Schrein neue Münchener Hauptsynagoge
Der Tora-Schrein in der neuen Hauptsynagoge Bild: Richard Huber wikipedia Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kurz nach Kriegsende 1945 wurde die jüdische Gemeinde in München neu gegründet. Als Synagoge konnte man nach umfangreichen Renovierungsarbeiten das erhaltene Gebäude in der Reichenbachstraße verwenden. In den folgenden Jahren wurden dann  auch weitere provisorische Synagogen in Betrieb genommen.

Schließlich entstand am St. Jakobsplatz die neue Hauptsynagoge in moderner Bauweise. Die Einweihung fand am  09. November 2006 in feierlichem Rahmen statt.